Handwerker – Produkthaftung bei selbst erstellten Angeboten

Haften Handwerker für ihre Arbeit?

Handwerkerinnen und Handwerker haften für ihr selbst hergestelltes Produkt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein einzelnes Erzeugnis, eine handwerkliche Dienstleistung oder einen komplexen Auftrag handelt. Diesem Beitrag liegt das Thema Produkthaftung bei selbst erstellten Angeboten zugrunde. Er behandelt also nicht die Frage, ob der Handwerker oder die Handwerkerin für die Beschaffenheit von eingesetzten Materialien haftet, die zur Herstellung des Fertigprodukts eingekauft worden sind. Vielmehr wird die fertiggestellte eigene Arbeit als Produkt betrachtet, für welches das Unternehmen die Produkthaftung übernehmen muss. Zwei kleine Beispiele sollen dies verdeutlichen:

Die Friseurin verwendet eine Tönung, deren Rezeptur das Haar der Kundin schädigt. Die Produkthaftung trägt der Hersteller dieser Tönung. Verwendet sie jedoch die falsche Tönung und das Haar erhält einen ungewünschten Farbton, besteht das Produkt aus einer unzureichend durchgeführten Frisur und die Friseurin haftet dafür.

Der Heizungsbauer baut beim Kunden eine Therme ein, die durch einen Konstruktionsfehler schon bald defekt ist. Der Hersteller haftet, allerdings in der Auseinandersetzung mit dem Heizungsbauer. Schließt dieser eine einwandfreie Therme jedoch falsch an, ist die funktionsuntüchtige Heizungsanlage das Produkt, für welches er in der Haftung steht.

Eigenverantwortung, wenn Handwerker das Produkt selbst entwickeln

Eines sei vorausgeschickt – nachfolgend wird der Klarheit halber im Text nur noch vom „Handwerker“ oder „Meister“ gesprochen. Damit sind selbstverständlich alle weiblichen und männlichen Berufskollegen gemeint.
Wir haben also festgestellt, dass das Produkt auch eine komplexe handwerkliche Arbeit sein kann. Vor allem in den technischen Handwerksberufen Elektriker, Heizungsbauer und Installateur, Klima- und Lüftungsanlagenbau und anderen ist es übliche Praxis, dass der Handwerker dieses Produkt selbst entwickelt. Der Kunde kommt zu ihm und wünscht ein Angebot beispielsweise über die Elektroinstallation eines Einfamilienhauses. Im individuellen Wohnungsbau liegen dementsprechend keine fertig konzipierten Installationspläne vor. Der Kunde geht vielmehr davon aus, dass der Elektromeister fachlich geeignet ist, diese Pläne selbst zu entwickeln und daraus ein Angebot zu erstellen. Dies ist völlig richtig, denn das Unternehmen muss ohnehin über eine Errichtergenehmigung verfügen und diese setzt eine entsprechende fachliche Qualifikation voraus.

Jeder Elektromeister wird sich bemühen, ein komplexes Angebot abzugeben, in welchem er seine Fachkenntnisse hinsichtlich Komplexität und Funktionalität der fertigen Elektroanlage nachweist. Er wird ein Grundangebot abgeben und dazu Nebenangebote über nützliche Erweiterungen oder höherwertige Materialien. Dies ist völlig in Ordnung, und dennoch geht er damit ein Risiko ein. Von diesem Moment an steht er zu einhundert Prozent in der Produkthaftung. Er hat in Form einer mehr oder weniger umfangreichen Eigenprojektierung das Angebot zusammengestellt. Ab sofort ist er nicht nur für die fachgerechte Ausführung haftbar, sondern auch dafür, dass sein Projekt keine Mängel aufweist. Setzt er nunmehr beispielsweise in Unkenntnis einen Zählerschrank ein, der nicht den technischen Anschlussbedingungen im Versorgungsgebiet des Kunden entspricht, liegt die Produkthaftung komplett bei ihm.

Steht der Handwerker auch bei Fremdprojektierungen in der Haftung?

Werden die Angebotsunterlagen von einem Projektierungsbüro erstellt und der Handwerker beteiligt sich lediglich an der Ausschreibung, wird ihm ein beträchtlicher Teil der Produkthaftung abgenommen. Diese Art der Auftragsbeschaffung stellt jedoch keinen Freibrief dar. Wenn der Handwerker erhebliche Projektmängel feststellt, steht ihm eine Mitwirkungsverpflichtung zu. Dies kann bereits in der Angebotsphase der Fall sein oder aber später bei der Ausführung der Arbeiten. Bei fehlerhaft ausgeführten Arbeiten teilen sich in einem solchen Fall das Projektierungsbüro und der Handwerker die Produkthaftung.

Produkthaftung im Zusammenhang mit der Bau- und Leistungsbeschreibung

Jeder Handwerker, der sich an Ausschreibungen beteiligt, kennt die viele Seiten langen Bau- und Leistungsbeschreibungen, Vertragsbedingungen, zusätzliche Vertragsbedingungen und andere Dokumente. Sie sind lästig, denn ihre Erstellung, aber andererseits auch Durchforstung nach Fallstricken kostet viel Zeit und erfordert oftmals auch rechtliche Kenntnisse. Projektierungsbüros und bei besonders großen ihrer Art auch deren Rechtsanwälte haben diesbezüglich ein ausgeklügeltes System entwickelt.

Eigentlich hat der Handwerker weder die Zeit noch das Interesse, seinen Kunden mit dem Angebot ein derartiges Pamphlet zukommen zu lassen. Zum Einbau eines einzigen Heizkörpers oder dem Wechseln einer Tür wäre dies auch maßlos übertrieben. Es würde den Kunden eher abschrecken, weil er oftmals von solchen Texten überfordert ist. Dennoch muss er sich, so weitestgehend er dies ausdehnen kann, bei seinem Angebot absichern. Dazu gehört, dass er klipp und klar darlegt, welche Leistungen im Angebot enthalten sind. Er hat jedoch andererseits die Verpflichtung, eine komplette und funktionierende Arbeit beim Kunden abzuliefern. Dieser kann davon ausgehen, dass er eine Leistung (ein Produkt) kauft, welches ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung benutzbar ist. Übertrieben ausgedrückt ist es also nicht möglich, eine Elektroanlage anzubieten, in der beispielsweise die Sicherungsverteiler fehlen. Will dies der Elektriker so anbieten, muss er eindeutig darauf hinweisen, dass seine Arbeit nach der Fertigstellung nicht benutzbar ist. Kein Kunde wird sich darauf einlassen. Der Handwerker kann sich dementsprechend nicht durch das bewusste Weglassen von Leistungen zur Erzielung eines besonders günstigen Angebotes aus der Produkthaftung befreien.

Die Produkthaftung aus selbst erstellten Angeboten besteht dementsprechend aus zwei Komponenten:

  • fachlich korrektes und komplettes Angebot sowie
  • fachlich korrekte Ausführung

Dafür haftet der Handwerker. Für vom Hersteller mit Produktmängeln bereitgestelltes Material haftet zunächst ebenfalls der Handwerker. Ihm obliegt es, den Mangel mit dem Hersteller zu regulieren.

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Ich habe Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation studiert und bin seit 8 Jahren selbstständig im Bereich Webentwicklung tätig. Seit 2014 arbeite ich für die Uzin Utz AG an diversen digitalen Projekten.

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